Der Preis ist heiß – das gilt nicht zuletzt für die Tarife des neuen Wetzlarbades. Seit Monaten wird spekuliert, wie viel der Besuch des Bades künftig kosten wird. Und jetzt, da das Geheimnis gelüftet wurde, überrascht nicht die Höhe der Preise, sondern ihre Gestaltung. Ein Kommentar.

Von Martin Klever

2,80 Euro für den Eintritt ins Hallenbad: Da darf kein Erwachsener motzen. Aber während sich die Stadtratsmitglieder am Mittwoch darüber echauffierten, in Zukunft nicht mehr für alle Preiserhöhungen gefragt werden zu müssen, liegt das Problem irgendwo ganz anders. Und besonders gravierend ist: Kein Politiker will es erkannt haben.
Denn der eben genannte Preis gilt für Eupener. Nur für Eupener, wohlgemerkt. Alle auswärtigen Besucher, egal ob aus Baelen, Raeren oder der Eifel, müssen an der Kasse stolze 25 Prozent mehr zahlen. Ein sattes Viertel wird somit jedem draufgelegt, der sich erdreistet, als Nicht-Bewohner der DG-Hauptstadt fortan das nigelnagelneue Schwimmbad zu besuchen. Wenn die Touristen Eupen da mal nicht die Hütte einrennen werden.
Aber Spaß beiseite. Wer Eintrittsgelder aufgrund der Herkunft der Besucher festlegt, dem fehlt nicht nur das nötige Feingefühl, sondern schlichtweg das richtige Gespür. In Trumpschen Zeiten, in denen Menschen wahllos per Twitter-Einzeiler ausgegrenzt und Strafzölle zum „Schutz der heimischen Bevölkerung“ erhoben werden, sollten sich aufgeklärte Politiker genau überlegen, wen sie aus welchem Grund bevorzugen. Denn am Ende ist die genehmigte Preisliste für das neue Wetzlarbad vor allem eines: Diskriminierung ersten Grades.
Davon profitiert unter dem Strich niemand – auch die Eupener nicht. Oder soll sie beim Triangel-Besuch in St.Vith künftig ein Nord-Aufschlag erwarten? Beim Kinoerlebnis in Aachen ein Euregio-Aufpreis? Beim Konzert in Brüssel eine Hauptstadt-Pauschale? Besser nicht. Deshalb lieber jetzt gleich die Wogen glätten, bevor das Ganze allzu hohe Wellen schlägt. Bis zur Eröffnung des Schwimmbades Ende Juni ist dazu ja noch locker Zeit.

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