Weil ein 65-jähriger Mann aus der Eifel einer Frau an den Busen gefasst haben soll, muss er sich jetzt vor Gericht verantworten. Die Anklage lautet: Sexueller Übergriff.

Von Cynthia Lemaire

Der Vorfall hatte sich vor fast genau einem Jahr im Rahmen einer privaten Feier in der Eifel ereignet. Vor Gericht schilderte die Frau, die als Zivilpartei auftritt, was aus ihrer Sicht auf dem Fest vorgefallen war. Sie und der Beschuldigte waren als Gäste auf dem Fest anwesend. „Zwischen Hauptgang und Dessert hat er seine Frau aufgesucht. Sie war meine Tischnachbarin. Er stellte sich hinter mir und stützte seinen Unterarm auf meine Schulter. Plötzlich fühlte ich seine rechte Hand unter meiner Weste auf meiner rechten Brust“, so die Frau. Zuerst habe sie gedacht, sie sei im falschen Film. Sie sei wie versteinert gewesen und habe nicht reagieren können. Das Grapschen habe einige Sekunden gedauert. Sie sei anschließend auf die Toilette geflüchtet, um kein Aufsehen bei der kleinen Feier zu erregen. Als der Mann und seine Frau das Fest verließen, habe sie die beiden auf dem Parkplatz aufgesucht, um dem Rentner mitzuteilen, dass er zu weit gegangen sei und sie bei der Polizei Anzeige erstatten werde.

Der Mann, der persönlich vor Gericht anwesend war, leugnet die gegen ihn erhobenen Vorwürfe.

„Ich wollte eine Grenze ziehen, das war mir sehr wichtig. Wer weiß, was bei unserer nächsten Begegnung passiert wäre“, so die Frau. Denn sie hatte – laut ihrer Schilderung – bereits mehr als ein Jahr vor dem Vorfall auf der Feier einen unschönen Kontakt mit dem Angeklagten. „Es gab da ein Telefonat. Ich rief bei den Eheleuten an, um seine Frau zu sprechen, die allerdings nicht zu Hause war. Da wurde er am Telefon sehr obszön“, berichtete die Frau. Über dieses Vorkommnis habe sie eine Freundin informiert, die ebenfalls auf dem Fest eingeladen war. Sie habe ihr mitgeteilt, dass sie nicht in der Nähe des Mannes sitzen wollte.

Diese Freundin hatte in ihrer Zeugenaussage die Aussagen des Opfers bestätigt. Sie habe den Griff an die Brust durch den Mann gesehen und gleichzeitig den entsetzten Blick des Opfers bemerkt.

Der Mann, der persönlich vor Gericht anwesend war, leugnet die Vorwürfe. Er habe bei der Begrüßung der Frau lediglich ihren Nacken berührt. „Mehr habe ich nicht gemacht. Wir waren ja schließlich nicht alleine“, so der Beschuldigte wörtlich, der angab, dass er bis zum Zeitpunkt der Berührung drei Whiskey getrunken hatte. Der Anwalt der Geschädigten betonte in seinen Ausführungen, dass es sich bei der Aussage der Freundin keinesfalls um eine Gefälligkeitsaussage handle. Auch seine Mandantin übertreibe nicht in ihren Angaben und bausche den Fall nicht auf. Als Schadenersatz für die Frau, die nach dem Vorfall einige Tage krank geschrieben war, forderte er 1.000 Euro.

Die Staatsanwaltschaft wertete die Berührung des Busens eindeutig als Verletzung der Intimsphäre, die man nicht durch Alkoholkonsum erklären dürfe. Auch für sie ist die Frau absolut glaubwürdig. „Warum sollte sie so etwas erfinden? Welchen Nutzen würde sie aus einer Anzeige ziehen?“, fragte die Staatsanwältin in den Raum. Eine Aussetzung der Urteilsverkündung sei ein völlig falsches Signal. Sie forderte eine achtmonatige Haftstrafe und die Aberkennung der bürgerlichen Rechte für die Dauer von fünf Jahren.

Der Verteidiger des Mannes wunderte sich darüber, dass bei der überschaubaren Feier nur eine Person, nämlich die Freundin des Opfers, den Vorfall bemerkt hatte. Diese sei aufgrund der Information über das obszöne Telefonat voreingenommen gewesen. „Ein sexueller Übergriff muss eine vorsätzliche Tat sein und diesen Vorsatz kann ich nicht erkennen“, so der Anwalt. Wenn überhaupt, habe der Beschuldigte die Frau unglücklich berührt, als er sich aufgerichtet habe.

Sein Mandant sei seit 40 Jahren verheiratet und weder als Lustmolch noch als Schwerenöter bekannt. Durch das Breittreten der Angelegenheit durch das vermeintliche Opfer werde dessen Ruf geschadet. Er vermiete Ferienwohnungen und es sei noch nie zu Beschwerden gekommen. Diese Tätigkeit brauche er, um seine bescheidene Rente aufzubessern. Für die Genehmigung zur Vermietung sei ein lupenreiner Leumund unerlässlich. Er beantragte den Freispruch des Angeklagten bzw. äußerst hilfsweise eine Aussetzung der Urteilsverkündung.

Das Urteil in diesem Fall wird am 13. März verkündet.